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Wer ankommen will, muss auf Unterstützung zählen können

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Von: Wolfgang Barth

In einer neuen Heimat ankommen: das klingt leichter, als es ist. Denn viele Hürden erschweren das Ankommen und Mitmachen in der neuen Gesellschaft. Deshalb brauchen Migrant*innen Unterstützung. Wie die aussehen kann, zeigen spannende Projekte in ganz Deutschland. 

 

Das Leben muss von Grund auf neu geregelt werden
Wer die eigene Heimat verlässt, muss eine Unzahl an Hürden überwinden. Das können bürokratische Hürden sein oder – gerade wenn man fliehen muss – solche, die lebensbedrohlich sind. Einmal angekommen, liegt nur scheinbar der schwierigste Teil hinter den Menschen. Denn Menschen, die neu nach Deutschland kommen, müssen ihr Leben von Grund auf neu regeln – und das in einer fremden Sprache, in einer fremden Stadt, unter fremden Menschen und unbekannten Bürokratien.  

 

Neu orientieren in einer neuen Gesellschaft
Das ist alles andere als einfach: Nach der Migration ist lange vor dem Ankommen. Denn in der neuen Gesellschaft müssen die Menschen sich neu orientieren – und immer wieder damit auseinandersetzen, wie diese Gesellschaft, in der es anzukommen gilt, ihren Alltag organisiert und welche Werte sie dabei zugrunde legt. Menschen, die auf der Flucht traumatisiert wurden, kann dieser Prozess besonders schwerfallen. Hier hilft z.B. die AWO Projekten und Dienstleistungen. Ein Beispiel ist „Jasmin – zwischen Traum und Trauma“. Bei dem Gruppenangebot wird der Austausch von geflüchteten oder migrierten jungen Müttern gefördert und die Entwicklung ihrer Kinder unterstützt. 

 

Eines der größten Probleme: Wohnraum
Eines der größten Probleme für Migrant*innen: eine bezahlbare Wohnung finden. Die Diskriminierung am Wohnungsmarkt auf Grund von Namen und damit verbundenen Stereotypen ist inzwischen gut belegt und sowieso wird bezahlbarer Wohnraum vielerorts knapp. Die fehlende Routine im Umgang mit den unbekannten Ämtern und Behörden und fehlende Netzwerke tun ihr übriges. Für geflohene Menschen ist es noch einmal schwieriger: Sie müssen die staatlichen Unterkünfte verlassen und sich auf dem Wohnungsmarkt erfolgreich bewerben. Beides ist nicht ohne Weiteres zu meistern. Die AWO bringt deshalb z.B. Vermieter*innen und Flüchtlinge zusammen

 

Gesundheit kann kompliziert sein
Ein weiterer Aspekt ist Gesundheit. Manchmal fehlt das Wissen und der Zugang zum Gesundheitssystem und manchmal sind die Zugangsbarrieren schlicht zu hoch. Wenn der Zugang nicht gelingt, ist die angemessene Versorgung der Menschen mitunter nicht gewährleistet. Gesundheitliche Probleme, Krankheiten oder Verletzungen werden vielleicht nicht behandelt, obwohl es einfach oder möglich wäre. 

 

Kleine Maßnahmen können viel helfen
Eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken? Medizinische Versorgung in den wichtigsten Herkunftssprachen anbieten. Was banal klingt, kann große Wirkung haben. Wenn ein*e Psycholog*in oder ein*e Ärzt*in der eigenen Sprache Beratung anbietet, fällt das Sprechen über mitunter sowieso schambesetzte Emotionen oder komplizierte körperliche Symptome einfacher. So bietet z.B. der AWO-Kreisverband München schon lange einen psychologischen Dienst in türkischer und serbokroatischer Sprache an. Der AWO-Kreisverband Bonn- Rhein-Sieg hat ein sozialpsychiatrisches Kompetenzzentrum Migration aufgebaut. 

 

Ankommen ist immer auch eine Frage der Strukturen
Ankommen ist deshalb immer auch eine Frage der Strukturen, auf die Migrant*innen treffen. Der beste Wille reicht nicht aus, wenn es schlicht keine bezahlbaren Wohnungen gibt oder gesundheitliche Probleme nicht behandelt werden können. Integration braucht Unterstützung beim Ankommen. Oft ist da das Handeln im kleinen Rahmen ein wichtiger erster Schritt. Das zeigt z.B. der AWO-Kreisverband Emden. Er macht vor, wie man auf dem Land Willkommensstrukturen aufbaut und erste Orientierungshilfen und Unterstützungsstrukturen organisiert.

Dies ist ein Blogpost im Rahmen des AWO-Wahlcountdowns 2017. Die Wochen vor der Wahl begleitet die AWO mit ihrem Wahlcountdown: 12 Forderungen an die Politik, eingebettet in 12 Themenwochen. Dieser Blogpost ist Teil der Themenwoche "Migration und Flucht".

Alle Themenwochen des Wahlcountdowns gibt es hier.

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