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12.03.2019 | Artikel

Die AWO zum Umgang mit Rassismus

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Warum die AWO bewusst den Begriff "Rassismus" verwendet

Besonders in Deutschland war die Benennung von Rassismus lange tabuisiert. So ist es eine schwerwiegende Anschuldigung zu sagen: »Deine Aussage ist rassistisch!«. Die angesprochene Person fühlt sich beschimpft und ist in der Regel bestrebt, diesen Vorwurf zu entkräften. Das liegt daran, dass der Begriff »Rassismus« in Deutschland mit der Verfolgung und Ermordung von Menschen im Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wird und entsprechende Assoziationen weckt. Der Vorwurf, rassistisch zu sein, ruft daher eine enorme Scham hervor. Tatsächlich erscheinen sie im Vergleich zur rassistischen Normalität des Nationalsozialismus als harmlos. Doch auch der Rassismus von heute bewirkt Ausgrenzungen, verursacht seelische und körperliche Schäden und hat nicht selten tödliche Folgen.

Selbst wenn Rassismus so offen sichtbar wird, wie im Falle des »Nationalsozialistischen Untergrund«, wird vielfach von »Fremdenfeindlichkeit« oder wahlweise von »Ausländerfeindlichkeit« gesprochen, um den Begriff Rassismus zu vermeiden.

Die AWO achtet darauf, Rassismus zu benennen und zu ächten

In der AWO benutzen wir den Begriff Rassismus bewusst, auch weil wir andere Begriffe für nicht geeignet halten. Denn schauen wir einmal genauer hin:

Der Begriff »Ausländerfeindlichkeit« ist unscharf und reduziert das Problem weg von uns. Der Begriff »Ausländer« stellt schon sprachlich einen Unterschied zu Inländern her. Juristisch gesehen ist Ausländer, wer nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Von Rassismus betroffen sind jedoch auch viele Deutsche – also Menschen, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Mit dem Begriff »Ausländerfeindlichkeit« werden Deutsche, die neu eingebürgert sind oder über einen familiären Migrationshintergrund verfügen, nicht erfasst. Wenn zum Beispiel Schwarze Deutsche angepöbelt und diskriminiert werden, legt der Begriff der »Ausländerfeindlichkeit« die Vermutung nahe, es handele sich bei den Schwarzen Deutschen um Ausländer. Diese Auffassung beruht auf der falschen Annahme, Deutsch könne nur sein, wer über eine deutsche Abstammung verfüge.

Mit dem Begriff "Fremdenfeindlichkeit" wird die Tätersicht übernommen

Auch der Begriff der »Fremdenfeindlichkeit« birgt Probleme. Wenn etwa Jugendliche, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, rassistisch diskriminiert werden, z.B. sie regelmäßig an der Discotür abgewiesen werden, kann man nicht von Fremden sprechen, die betroffen sind. Mehr noch: Mit dem Begriff der »Fremdenfeindlichkeit« wird die Tätersicht übernommen, die anhand körperlicher Merkmale wie beispielsweise Hautfarbe darüber entscheiden, wer vermeintlich fremd ist und nicht dazu gehört.

Indem wir den Begriff Rassismus also bewusst verwenden, möchten wir einen Beitrag dazu leisten, Rassismus als Lebensrealität für viele Einwanderinnen und Einwanderer zu beschreiben und dafür zu sensibilisieren.

 

Interesse geweckt? Unsere Broschüre "AWO gegen Rassismus: Positionen und Projekte" zum Thema, kostenlos downloadbar.

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