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Am 27. Januar, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, hält die Welt inne, um an ein beispielloses Verbrechen in der Geschichte der Menschheit zu erinnern. Dieses Erinnern ist nicht nur symbolische Geste, sondern in jedem Jahr wieder ein aktives Mahnen: Die Verbrechen der Nationalsozialisten dürfen sich niemals wiederholen.

Für die AWO ist es eine Frage der historischen Verantwortung, die Erinnerung daran wachzuhalten - auch aus der eigenen Geschichte heraus begründet:

Nach der Machtergreifung der Nazis versuchte die NS-Administration im Mai 1933 die AWO in die Deutsche Arbeitsfront zu integrieren. Dieser Versuch scheiterte, weil sich die ehrenamtlichen Helfer*innen und Funktionär*innen der Gleichschaltung entzogen. Damit war die AWO die einzige Wohlfahrtsorganisation, die sich weigerte, sich der NS-Bewegung anzuschließen. Daraufhin wurde vielerorts die Arbeiterwohlfahrt von der Gestapo verboten und zerschlagen. Viele ihrer haupt- und ehrenamtlichen Helfer*innen wurden in Verbindung mit dem schrittweise durchgesetzten Verbot der Sozialdemokratie verhaftet.

Das Verbot bedeutete aber nicht das Ende des Wirkens der AWO. Viele ihrer Funktionär*innen unterstützten organisiert oder individuell den Widerstand und versuchten, Verfolgte zu verstecken und zu schützen. In Berlin beispielsweise arbeitete die AWO mit der Aufgabe, politisch Verfolgte zu unterstützen, als “Sozialer Dienst” der illegalen SPD noch bis zum Ende der dreißiger Jahre. Anna Charlotte Juchacz, Marie Juchacz’ Tochter, half bei der Versorgung versteckter Juden. Johanna Kirchner unterstützte gemeinsam mit Marie Juchacz aus dem Exil den Widerstand, bis sie 1944 hingerichtet wurde. Lotte Lemke bildete gemeinsam mit Kurt Schuhmacher, Fritz Erler und Alfred Nau eine Widerstandsgruppe. Von der Gestapo gesucht und zeitweilig inhaftiert, nahm sie es auf sich, als Kurier den nach Prag ausgewichenen Parteivorstand der SPD zu informieren. Walter Friedländer, der als Dozent an der Wohlfahrtsschule der AWO unter anderem gegen die Brutalisierung der Jugendhilfe angeschrieben hatte, musste 1933 fliehen. In Paris engagierte er sich in der Flüchtlingsfürsorge. Unzählige AWO-Aktivist*innen wurden in Konzentrationslager verschleppt und ermordet.

Die Arbeiterwohlfahrt war nur eine unter den Akteur*innen, die zuvor - vergeblich - vor der Entwicklung gewarnt hatten und aktiv Widerstand leisteten. 1932 beispielsweise veröffentlichte sie in ihrer Fachzeitschrift „Arbeiterwohlfahrt“ Auszüge aus Verlautbarungen, die unverhohlen die nationalsozialistischen Überzeugungen vom Abbau des Sozialstaats, von Rassenlehre und „unwertem Leben“ wiedergaben:

Ausschnitt aus der Fachzeitschrift Arbeiterwohlfahrt 1932a

Das nationalsozialistische Regime etablierte sich nicht über Nacht. Sein Gedankengut wurde lange vorher lauter und lauter artikuliert.

Politik und Gesellschaft müssen auch heute wachsam bleiben, um die demokratischen Werte unseres Zusammenlebens zu schützen. Für die AWO ist deshalb das Engagement gegen Rassismus und Rechtsextremismus ein zentraler Bestandteil ihrer Identität. Parteien, Organisationen oder Gruppierungen, die rassistisch motivierte Straftaten verüben, die die Menschenwürde verletzen, eine Wesensverwandtschaft mit der Ideologie des Nationalsozialismus aufweisen und unsere demokratischen Wertevorstellungen gefährden, lehnen wir entschieden ab. Denn:

"Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung." Theodor W. Adorno.

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