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Warum die Wohlfahrt Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu ihren Themen machen muss

Drei Fragen an Markus Broeckmann, den Geschäftsführer der AWO Pfalz. 

Die AWO und Klimaschutz - Wie passt das zusammen? 

Was verbindet einen Verband wie die AWO mit den Themen Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung?

Als das Bundesverfassungsgericht im Frühjahr diesen Jahres in seinem historischen Urteil Nachbesserungen beim Klimaschutz forderte und die Bundesregierung so unmittelbar zum Handeln zwang, stützte es seine Begründung auf einem der fünf Grundwerte der Arbeiterwohlfahrt: Der Freiheit. Das Gericht führte aus, es sei die Freiheit künftiger Generationen, welche es zu schützen gelte und welche nicht durch die Versäumnisse heutiger Generationen in Form zu schwacher Klimaziele eingeschränkt oder gefährdet werden dürfen.

Diese Verbindung zwischen der Begründung des Gerichts und einem unserer Grundwerte ist kein Zufall. Sie zeigt uns vielmehr, wie eng das auf Solidarität, Toleranz, Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit aufbauende Weltbild der Arbeiterwohlfahrt mit der Vision einer klimaneutralen bzw. nachhaltigen Gesellschaft und damit mit den Pariser Klimaschutzzielen sowie den Zielen für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen verbunden ist.

Was bedeutet das für die künftige Rolle und das Selbstverständnis der AWO?

Angesichts der sich beschleunigenden und immer dramatischeren Folgen der Übernutzung unseres Planeten gewinnt dieses Verständnis, dass Nachhaltigkeit fester Bestandteil des AWO-Wertebildes ist, nochmals an Bedeutung. Wir sehen, wie ganze Regionen unter jahrelanger Dürre leiden und sich zunehmend destabilisieren. Wir erleben, wie Populisten und Hetzer die daraus resultierenden Fluchtbewegungen argumentativ missbrauchen, um unsere demokratischen Grundwerte anzugreifen. Wir werden direkt getroffen von Extremwetterereignissen wie der Flutkatastrophe in diesem Sommer oder den Hitzewellen der vergangen Jahre. All diese Entwicklungen zeigen nicht nur den unmittelbaren Handlungsbedarf, sie zeigen auch, dass die Klimakrise eindeutig eine soziale und humanitäre Krise ist. Es kann daher keine Frage sein, ob wir als AWO uns mit Klimaschutz und Nachhaltigkeitszielen befassen, sondern nur darum, was unsere konkreten Aufgaben sind und wie wir diese anpacken. Wir als AWO müssen uns als Teil einer sozialen und ökologischen Transformation verstehen, die – wenn wir sie ausreichend schnell und konsequent angehen – unsere Gesellschaft sehr grundlegend zum positiven verändern wird. Hier liegt eine große Verantwortung für die AWO und die gesamte Freie Wohlfahrtspflege. Aber auch eine große Chance!

Was bedeutet das konkret? Wo kann oder muss die AWO für Nachhaltigkeit und Klimaschutz aktiv werden?

Die Herausforderungen auf diesem Weg sind natürlich ebenso groß wie vielfältig. Aber wir können anhand der drei Handlungsfelder der freien Wohlfahrtspflege einen Überblick gewinnen:

Da ist als erstes Handlungsfeld unsere sozialanwaltschaftliche Rolle. Der Wandel hin zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Gesellschaft wird nicht gelingen, wenn wir nicht auch zentrale soziale Fragen in den Mittelpunkt stellen und alle Menschen mitnehmen. Grundlage dafür ist eine gerechte Verteilung der mit dem Wandel verbundenen Lasten und Anstrengungen. Verletzliche Bevölkerungsgruppen müssen wir unterstützen, so dass sie einen für sie angemessenen Beitrag leisten und an der vor uns liegenden Transformation teilhaben können. Hier werden wir als AWO sehr wachsam und nach Bedarf auch laut sein. Für uns ist klar: Wer in unserer Gesellschaft viel hat, muss auch mehr für das Gelingen der vor uns liegenden Jahrhundertaufgabe in die Pflicht genommen werden und so andere entlasten!

Das zweite Handlungsfeld betrifft unsere Einrichtungen und Dienste. Denn ohne Frage werden wir keines der von der Bundesrepublik ausgerufenen Klima- und Nachhaltigkeitsziele erreichen können, wenn nicht auch der gewaltige Sozial- und Gesundheitssektor seinen Beitrag dazu leistet. Als AWO haben wir in diesem Jahr beschlossen, dass wir mit unseren bundesweit über 18.000 Einrichtungen und Diensten noch vor 2040 klimaneutral sein werden. Jetzt gilt es, diesen hohen Anspruch auch zu erfüllen und notwendige Veränderungen anstoßen. Das fängt bei der Auswahl von Fahrzeugen für ambulante Dienste an, geht über die Energieversorgung unserer Gebäude bis hin zur Frage, wie wir die vielen tausenden uns anvertrauten Menschen täglich verpflegen. Bereits seit einigen Jahren entwickeln und erproben wir in Pilotprojekten wie „klimafreundlich pflegen“ konkrete Klimaschutzmaßnahmen. Diese müssen nun schnellstmöglich in die Fläche gebracht werden. Dazu gehört eine entsprechende verbandliche Strategie genauso wie die klare Forderung an die Politik: Klimaschutz und Nachhaltiges Handeln müssen endlich Bestandteil der Finanzierung sozialer Arbeit werden!

Und dann ist natürlich unsere Rolle als Trägerin und Unterstützerin zivilgesellschaftlichen und ehrenamtlichen Engagements von Bedeutung. Hier liegt ein gewaltiges Potential, den gesellschaftlichen Wandel ganz praktisch zu unterstützen und gleichzeitig die Gesellschaft in ihrer Breite einzubinden. Gelingt es uns, die im Sinne eines Miteinanders statt Gegeneinanders für ein gemeinsames Ziel zu begeistern, kann daraus eine sehr wertvolle Dynamik entstehen, die für das Erreichen der Klima- und Nachhaltigkeitsziele zentral sein wird. Die Aufgabe der Arbeiterwohlfahrt wäre es hier, Räume zu schaffen in denen ein solches Verständnis gefestigt und Engagement entstehen und wachsen kann. Von einer neuen Bundesregierung würde man sich wünschen, dass sie die sich hier bietenden Möglichkeiten noch klarer erkennt und entsprechende Maßnahmen stärker unterstützt.

Als AWO haben wir in mehr als 100 Jahren verbandlicher Geschichte viele gesellschaftliche Veränderungen und Umbruchprozesse erlebt und begleitet. Aus dieser Erfahrung und unserem Wertebild erwächst die Verantwortung, gemeinsam mit anderen gesellschaftlichen Akteur*innen auch den vor uns liegenden Wandel mitzugestalten und so für die Verwirklichung einer gerechten und freien Gesellschaft einzutreten.

Die AWO begleitet die 12 Wochen bis zur Wahl unter dem Motto „Deutschland, Du kannst das!“ mit sozial- und gesellschaftspolitischen Forderungen an die kommende Bundesregierung. Dieser Beitrag gehört zur Themenwoche „Nachhaltig sozial“. Mehr dazu unter: awo.org/bundestagswahl-2021.

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