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„Engagement darf kein Hindernislauf sein“

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Von: Dominik Evcimen, Philipp Heintze

Freiwillige wollen endlich weniger für die Öffentlichen Verkehrsmittel bezahlen müssen. Deshalb entstand #freiefahrtfuerfreiwillige. Mitinitiator Dominik Evcimen hat mit uns darüber gesprochen.

Jede Stimme, jedes Foto zählt. Lasst uns die Freiwilligendienste zusammen endlich ein Stück weit gerechter machen!

Dominik Evcimen, Mitinitiator von #freiefahrtfuerfreiwillige

Dominik Evcimen hat Freie Fahrt für Freiwillige mit ins Leben gerufen. Angetrieben hat ihn sehr viel mehr als nur der Gedanke an das schnöde Geld.

Freiefahrtfuerfreiwillige: Dominik, Du hast die Aktion #freiefahrtfuerfreiwillige mit initiiert. Warum?

Dominik Evcimen: Im Kern geht es mir bei der Aktion um Gerechtigkeit. Das klingt vielleicht sehr allgemein und plump, aber ich meine das sehr konkret: wer sich freiwillig engagiert, verdient Anerkennung für seine Tätigkeit. So jemand bereichert nicht nur das Leben anderer Menschen und wächst an den Aufgaben, die so ein Freiwilligendienst mit sich bringt. Er ist auch Teil des so wichtigen Rückgrats unserer demokratischen Gesellschaft, deren Stärkung gerade in Zeiten von Rechtspopulismus und zunehmenden sozialen Ungleichheiten wichtiger denn je erscheint. Mit der bundesweiten Hashtag-Aktion wollen wir gemeinsam, verbandsübergreifend und vielfältig zeigen, dass dieses Engagement auch entsprechend gewürdigt werden muss. Das in den Freiwilligendiensten gezahlte Taschengeld sollte für die Zeit des Dienstes Basis für eine sichere Finanzierung und Ausgestaltung des Lebens darstellen - da dürfen Freiwillige nicht noch zusätzlich durch teure Ticketpreise in der Ausgestaltung ihres Lebens beschnitten werden!

Wie ist die Aktion entstanden?

2016 war ich Bundessprecher des Bundesfreiwilligendienstes. Da habe ich gemeinsam mit den anderen Bundessprecher*innen (zwölf ganz tolle Kolleg*innen und Freund*innen!) schnell gemerkt, dass wir als Freiwillige zwar unglaublich viel leisten, diese Leistung im öffentlichen Raum jedoch nicht flächendeckend wertgeschätzt und präsent ist. Da war uns sofort klar, dass wir daran unbedingt etwas ändern möchten. So haben wir uns während unserer Amtszeit ganz intensiv mit dem Thema Anerkennungskultur auseinandergesetzt - da waren die oft sehr hohen Ticketpreise schon ein sehr wichtiges Thema. Das haben dann immer mehr Freiwillige aufgenommen und unter anderem Entwürfe für Petitionen in Nordrhein-Westfalen und Thüringen gestartet, die sich großer Unterstützung erfreuen konnten. Das war ein erster Erfolg und ein richtig tolles Zeichen. Beim Forum der Paritätischen Freiwilligendienste diesen Februar in Berlin haben dann viele Freiwillige deutlich gemacht: Wir haben Lust auf eine Aktion, um die Diskussion um Anerkennung im öffentlichen Diskurs zu forcieren. Wir wollen zeigen, wie wichtig uns eine flächendeckende Wertschätzung für den geleisteten Freiwilligendienst ist. Das haben wir uns sehr zu Herzen genommen und seitdem gemeinsam überlegt, wie wir eine solche Aktion gestalten können. Dank der vorangegangenen Erfolge lag es auf der Hand, die schon bekannte Forderung als Aufhänger zu nutzen, und so wurde #freiefahrtfuerfreiwillige geboren!

Wir müssen uns eine Stimme an den Verhandlungstischen verschaffen und dafür sorgen, dass Freiwillige bei Vergünstigungen und Sondertarifen nicht länger benachteiligt werden!

Dominik Evcimen, Mitinitiator von #freiefahrtfuerfreiwillige

Welches Ergebnis wünschst Du Dir?

Ein bundesweites Freiwilligenticket für alle Engagierten natürlich! Bis dahin ist es noch ein sehr langer Weg, aber ich bin sicher, dass wir mit der gemeinsamen Hashtag-Aktion den Druck auf Verkehrsverbünde, Politik und Wirtschaft erhöhen können. Wir müssen uns eine Stimme an den Verhandlungstischen verschaffen und dafür sorgen, dass Freiwillige bei Vergünstigungen und Sondertarifen nicht länger benachteiligt werden! Flächendeckende Vergünstigungen wären ein wirklich tolles, nötiges und richtiges Zeichen. Ganz wichtig ist mir persönlich auch, dass zukünftig mehr Freiwillige in den sie betreffenden Sitzungen und Ausschüssen sitzen können und maßgeblich an Willensbildungs- und Gestaltungsprozessen beteiligt sind - auf lokaler und bundesdeutscher Ebene. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir nicht nur eine Politik brauchen, die Entscheidungen für die Menschen trifft - ich möchte, dass diese Entscheidungen mit den Menschen getroffen werden, die von eben diesen Entscheidungen auch betroffen sein werden.

Diese Aktion hegt unglaubliches Potenzial für zukünftige Projekte rund um einen gerechteren Freiwilligendienst. Deshalb wünsche ich mir vor allem ganz viel Beteiligung, viele coole und kreative Selfies und Fotos von Freiwilligen und möchte euch wissen lassen: jede Stimme, jedes Foto zählt. Lasst uns die Freiwilligendienste zusammen endlich ein Stück weit gerechter machen!

Viele Menschen denken wahrscheinlich – ach, diese paar Freiwilligen wollen halt billiger unterwegs sein…was geht mich das an? Warum ist das Thema auch wichtig für Menschen, die nicht im Freiwilligendienst sind?

Das Thema ist wichtig für unsere ganze Gesellschaft, weil Freiwilligendienste in alle Bereiche unseres sozialen und gesellschaftlichen Lebens hineinwirken. So arbeiten in den Kindertagesstätten Freiwillige und basteln, malen und spielen mit den Kindern. In der Schule können sich die Schüler*innen über Freiwillige freuen, die sie eventuell beim Erledigen der Hausaufgaben unterstützten und vielleicht Inklusions- oder Integrationshelfer*innen sind. Und ältere Menschen können sich dank vieler Freiwilliger über Menschen freuen, die sich tagtäglich viel Zeit für sie nehmen und sie auch in schwierigen Situationen begleiten.

Engagement darf kein Hindernislauf sein!

Man sieht: Freiwillige begegnen uns überall in unserem sozialen Umfeld. Überall dort, wo Menschen Hilfe bei etwas benötigen, leisten die jährlich über 100.000 Freiwilligen einen unendlich wertvollen Beitrag für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Deswegen sollte uns allen, egal ob in den Freiwilligendiensten oder nicht, daran gelegen sein, uns dafür stark zu machen, dass ihnen keine unnötigen Steine in den Weg gelegt werden. Engagement darf kein Hindernislauf sein!

Rückfragen zu den Interviewantworten bitte an:

 

Dominik Evcimen

BFD Bundessprecher des Jahrgangs 2016/17

E-Mail: bfd.evcimen@outlook.de

Freie Fahrt für Freiwillige: Foto schießen, Foto posten, Engagement unterstützen - jetzt ganz einfach mitmachen!

Die Freiwilligendienstleistenden fordern: Freie Fahrt für Freiwillige! Bei ihrem geringen Taschengeld sind Bus, Bahn und Tram für viele zu teuer. Das darf nicht sein - Engagement sollte belohnt werden.

 

Deshalb: Mitmachen und am 5. Dezember ein Foto mit Ticket in oder an den "Öffis" machen und mit #freiefahrtfuerfreiwillige und den eigenen Forderungen oder Statements auf Twitter oder Instagram posten.

 

Hier geht's zur Aktionswebsite, wo alle Infos und Postings zusammenlaufen.

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