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Ein Kompass für stürmische Zeiten

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Von: Karin Kaltenbach, Leiterin der AWO Bundesakademie

Wie Bildungsarbeit von Beginn an zur AWO gehörte - und was sie heute bedeutet.

Am 16. Oktober 1928 eröffnete die Arbeiterwohlfahrt ihre Wohlfahrtsschule für Frauen und Männer – ein besonderes Datum, das uns auch heute erkennen lässt, wie wichtig dem jungen Wohlfahrtsverband eine fundierte Bildung gewesen ist. Ein vorausschauender Blick, um den Anforderungen der damaligen Zeit gerecht zu werden und gleichzeitig ein mutiger Schritt, Bildungsarbeit in einer unsicheren Welt zu positionieren und zu stärken.

Ausschnitt aus Chronik zu Gründung Wohlfahrtsschule

Heute, genau 91 Jahre nach Gründung, ist die Anerkennung von Bildung als Schlüssel für politische, gesellschaftliche, fachliche und persönliche Weiterentwicklung unumstritten. Lebensbegleitendes Lernen beschreibt mit anderen Worten, dass Menschen niemals aufhören zu lernen, und würdigt diese Leistung in ihren unterschiedlichen Kontexten. Mehr noch: Lebensbegleitendes Lernen ist die unabdingbare Voraussetzung für Weiterentwicklung, Reflexion und persönliche Entfaltung.

Schauen wir auf die Herausforderungen in der Wohlfahrtsbranche, so wird deutlich: Obwohl fundierte Strukturen zur Aus- und Weiterbildung bestehen, werden diese nicht ausreichen, um den tiefgreifenden und dynamischen Veränderungen standzuhalten. Alleine die gewachsenen Bedarfe an Fachkräften bringen die Wohlfahrtspflege unter Druck: Pädagogische Fachkräfte fehlen in Kitas, um eine gute Qualität der Bildung, Betreuung und Erziehung sicher zu stellen. Die Altenpflege ist im Kampf um geeignetes Personal schon mitten in einem Versorgungsproblem angekommen. Der Generationenwechsel ist im Gange: Die Babyboomer scheiden aus dem aktiven Erwerbsleben aus bei gleichzeitigem dynamischen Ausbau. Das heißt, zum einen stehen weniger Fach- und Führungskräfte zur Verfügung, um die Lücken der Berentungen zu schließen, zum anderen wächst die Branche seit Jahren und ist ein wichtiger Jobmotor bundesweit.

„Die großen Aufgaben der Gegenwart verlangen, dass man sie begreift, sich mit ihnen auseinandersetzt und dabei sofort mit Lösungsversuchen beginnt. Dass dabei die Schulung der Mitarbeiter in Theorie und Praxis an erster Stelle stehen muss, bedarf keiner Begründung.“

Marie Juchacz, 1949

Der Zusammenhang mit Bildung und Qualifizierung in den dynamischen Zeiten liegt auf der Hand: Nur fachlich gut geschultes Personal, im Sinne eines lebensbegleitenden Lernen kann eine hohe Qualität der Arbeit sicherstellen. Der Einstieg in die verschiedenen Arbeitsfelder der Wohlfahrtsbranche wird zunehmend diverser: Die massive Gewinnung von Personal erfordert, dass verschiedene Türe geöffnet werden, um in das Berufsfeld zu gelangen. Quereinstieg, Praxisintegrierte Ausbildung, Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland sind einige der aktuell diskutierten Modelle. Doch die unterschiedlichen Ausbildungshintergründe erfordern mehr denn je eine fundierte, kontinuierliche Weiterbildung, damit Kompetenzen in der Praxis erworben und gleichzeitig reflektiert und vertieft werden können. Lebensbegleitendes Lernen ist damit der Kompass, der uns durch die stürmischen Zeiten führt. Für die Arbeiterwohlfahrt, heute AWO, bleibt die damalige wichtige Erkenntnis: Um eine hohe Qualität ihrer Dienstleistungen anbieten zu können, braucht es mehr denn je einen Ausbau der Strukturen für eine kontinuierliche berufliche Aus- und Weiterbildung. Ebenso wichtig sind die Bereitstellungen von Ressourcen für Arbeitnehmer*innen zur Reflexion und Weiterentwicklung  - ganz im Sinne der Prioritäten des jungen Verbandes aus der Weimarer Republik.

Marie Juchacz hat die Bedeutung von Bildung genau zwanzig Jahre nach der Gründung der ersten Wohlfahrtsschule bekräftigt:

„Die großen Aufgaben der Gegenwart verlangen, dass man sie begreift, sich mit ihnen auseinandersetzt und dabei sofort mit Lösungsversuchen beginnt. Dass dabei die Schulung der Mitarbeiter in Theorie und Praxis an erster Stelle stehen muss, bedarf keiner Begründung.“

In diesem Sinne: Bildung bleibt unser TOP-Thema!

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