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Kindertagesbetreuung zukunftssicher und krisenfest gestalten!

Von: Lucas Kriegbaum

 

Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege sind für die meisten Kinder der erste Baustein in ihrer Sozialisation außerhalb der Familie. Kindertagesbetreuung  unterstützt und ergänzt den Erziehungsauftrag der Eltern.  Sie leistet einen bedeutsamen Beitrag zur Bildungs- und Chancengerechtigkeit, für die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf und nicht zuletzt  für die Stärkung einer demokratischen Gesellschaft durch Partizipations- und Selbstwirksamkeitserfahrungen.   

Um die vielfältigen Aufgaben und Ziele qualitativ hinreichend umsetzen zu können, bedürfen Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege gute personelle, finanzielle und materielle Rahmenbedingungen. Zu diesen äußerte sich Bundesverband im Rahmen einer Pressemitteilung im  September 2019 wie folgt: „Wir können die stetig steigenden Belastungen im Arbeitsfeld der Kindertagesbetreuung nicht mehr übersehen: Die Fachkräfte arbeiten bereits jetzt am Limit.“ Dann kam die Corona-Pandemie und mit ihr vielfältige  zusätzliche Herausforderungen und Belastungen für die Träger und Fachkräfte, Eltern und Kinder. .

Geschlossene Einrichtungen und Tagespflegestellen, Notöffnungen unter wechselnden Vorgaben des Infektionsschutzes, eine permanente Situation der Unplanbarkeit und Improvisationserfordernis und der Angst vor eigener Infizierung oder der der Kinder mit dem Virus, prägte über viele Monate die Situation. Hatten materiell und räumlich auskömmlich ausgestattete Familien noch gute Kompensationsmöglichkeiten,  nahmen die Belastungen in Doppelverdiener- und Alleinerziehendenhaushalten sowie in sozial benachteiligten Familien  deutlich zu.

Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege sind systemrelevant, das hat die Pandemie eindeutig gezeigt. Nicht nur, dass zusätzliche Aufgaben wie soziale Beratungen, Krisenmanagement und Konfliktmediation während der Pandemie übernommen wurden und werden, sondern ihre Bedeutung in einer arbeitsteiligen Gesellschaft für das Aufwachsen von Kindern und der familiärer Leistungsfähigkeit elementar ist. Es bekräftigt die Forderungen danach, sie mit ihren Strukturen und Angeboten zukunftssicher, krisenfest und auskömmlich finanziert auszustatten.

Um den beschriebenen Herausforderungen in der Kindertagesbetreuung gerecht zu werden, braucht es also eine politische Kraftanstrengung, die sich auf die ausreichende quantitative und erforderliche qualitative Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Kindertagesbetreuung zu fokussieren hat.

Hierzu fordert der AWO Bundesverband ein Bundesqualitätsgesetz, welches unter anderem die wissenschaftlich aufgestellten, verbindlichen Mindeststandards zum Fachkraft-Kindschlüssel (1:2 für unter Einjährige, 1:3 für Ein- bis Dreijährige, 1:8 für Drei- bis Fünfjährige und 1:10 für Kinder ab sechs Jahren), zur mittelbaren Arbeit (25% der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit für Reflexion, Dokumentation, Beobachtung, Zusammenarbeit mit Eltern, Fort- und Weiterbildungen etc.) und zur Arbeit der Leitungskräfte  (20 Stunden + Ausweitung des Umfang durch 0,35h pro Ganztagsplatz) bundesweit einheitlich garantiert und sich auf den qualitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung beschränkt.

Zudem muss der Platzausbau, insbesondere bei den Kindern unter drei Jahren, vorangetrieben werden. Dies impliziert eine verstärkte Fachkräftegewinnung, da mit dem wahrscheinlich kommenden Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung im Schulalter ein erhöhter Fachkraftbedarf einhergeht und dieser bereits jetzt nicht hinreichend gedeckt ist. Hierzu sollten neben einer Erweiterung der Ausbildungskapazitäten, die Erhöhung der Attraktivität des Berufsfeldes und eine Reform des Aus- und Weiterbildungssystem im Mittelpunkt stehen. Es bedarf einer vergüteten, transparenten und offenen Ausbildung zur*zum Erzieher*in, eines qualitativ hochwertiges Weiterbildungssystems, welches (auch finanziell lohnende) Aufstiegs­möglichkeiten bietet und an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientierte Rahmenbedingungen unter anderem auch bezüglich der räumlichen und materiellen Ausstattung sowie der garantierten Unterstützung durch Fachberatung.

Als Zukunftsthemen zeigten sich -nicht nur während der Pandemie- Digitalisierung, Nachhaltigkeit und der Ausbau vernetzter Strukturen mit anderen Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe, dem Sozialsystem und Sozialraum der Einrichtungen. Für die Umsetzung benötigen die Träger der Kindertagesbetreuung Personalressourcen, Weiter- und Fortbildungen sowie eine adäquate räumliche und materielle Ausstattung. Unter Gesichtspunkten des Abbaus von Zugangsbarrieren zu Angeboten der Kinder- und  Jugendhilfe und der stärkeren Vernetzung ist ein Ausbau von Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren anzustreben.

Einige Schritte zur Umsetzung dieser Forderungen wurden mit der Fachkräfteoffensive, dem KiTa-Qualitäts- und Teilhabeverbesserungsgesetz sowie anderen Gesetzesinitiativen und Programmen des Bundes und der Länder bereits gegangen. Jedoch bedarf es einer ausgebauten, verlässlichen und verstetigten Finanzierung der Kindertagesbetreuung unter Beteiligung des Bundes, um den Rechtsanspruch auf Betreuung, Bildung und Erziehung qualitativ hochwertig, nachhaltig, krisenfest und zukunftssicher zu gestalten.

Weiteres zur Bundestagswahlkampagne

Die AWO begleitet die 12 Wochen bis zur Wahl unter dem Motto „Deutschland, Du kannst das!“ mit sozial- und gesellschaftspolitischen Forderungen an die kommende Bundesregierung. Dieser Artikel im Rahmen der Themenwoche „Starke Familien“ veröffentlicht. Mehr dazu unter: https://awo.org/bundestagswahl-2021

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