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Was tun bei Sommerhitze?

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Von: Gudula Wolf

Das heiße Sommerwetter kommt zurück. In dieser Woche sollen wieder Temperaturen über 35 Grad in vielen Teilen Deutschlands auftreten. Ich betreue meine 88 jährige herzkranke Tante als pflegende Angehörige und wollte sie am Donnerstag zu ihrer Hausärztin begleiten. Sie benötigt neue Medikamente, auf dem Rückweg wollten wir noch einige Lebensmittel einkaufen. Laut Wetterbericht sollen es in unserer Stadt 36 Grad warm werden.

Mir macht die Hitze nicht viel aus, außerdem weiß ich, wie ich mich an heißen Tagen verhalten soll. Doch wie geht es meiner kranken Tante? Wie verkraftet sie die heißen sommerlichen Temperaturen in ihrer kleinen Wohnung mit Nachmittags- Sonnenbalkon? Was muss sie als ältere pflegebedürftige Person beachten? Und wie kann ich sie dabei unterstützen?

 

Gesundheitliche Gefahren

 

In Deutschland verändern sich die sommerlichen Temperaturen immer stärker. Hohe Tages- und Nachttemperaturen, plötzliche Hitzegewitter sind keine Seltenheit mehr. Tagestemperaturen, Spitzenwerte bis zu 38 Grad Celsius sind für viele Körper eine Belastung. Besonders für ältere, pflegebedürftige, und chronisch kranke Menschen bringen hohe Temperaturen und Hitze große Belastungen und Gefahren mit sich. Die Betroffenen können sich schlechter an hohe Temperaturen anpassen.

Schwere gesundheitliche Probleme können die Folge sein. Das Zentrum für  Qualität in der Pflege (ZQP) weist darauf hin, dass gerade ältere Menschen weniger Durst verspüren und zu wenig trinken. Vor allem bei alleinlebenden Personen und Menschen mit Demenz besteht eine große Gefahr. Bei hohen Temperaturen kann es schnell zu einem Flüssigkeitsmangel führen und zu Verwirrung, Fieber und starker Erschöpfung kommen, der sogenannten Hitzeerschöpfung. Auch kann bei regelmäßiger Medikamenten-Einnahme eine Verschiebung im Wasser-Salz-Haushalt des Körpers entstehen. Schwäche, Schwindel oder Kreislauf-Probleme können auftreten. Das kann sogar tödlich enden.

Das ZQP hat hilfreiche Tipps zusammengestellt. Mit gezielten Maßnahmen können pflegebedürftige Menschen vor gesundheitlichen Gefahren durch Hitze geschützt und pflegende Nahestehende entlastet werden.

 

Wärme vermeiden

  • Türen und Fenster tagsüber möglichst geschlossen halten. Rollläden, Jalousien und Vorhänge schließen.
  • Die Wohnung nachts oder am frühen Morgen lüften, wenn es draußen kühler ist als drinnen.
  • Ein feuchtes Tuch im Raum aufhängen.
  • Ventilator aufstellen. Darauf achten, dass die pflegebedürftige Person vor direkter Zugluft geschützt wird.
  • Elektronische Geräte wie Lampen, Fernseher oder Computer ausschalten. Diese produzieren zusätzlich Wärme.
  • Bei großer Hitze möglichst mit der pflegebedürftigen Person in der Wohnung bleibe

Auf Flüssigkeits-Zufuhr und Salz-Haushalt achten

  • Mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit täglich anbieten, z. B. Wasser, Saftschorlen oder Tee in Raumtemperatur. Ans Trinken erinnern. Zur Kontrolle ein Trinkprotokoll führen. Achtung: Bei Herz- und Nierenerkrankungen die ärztlich empfohlene Trinkmenge beachten.
  • Tag und Nacht ein Getränk in unmittelbarer Reichweite stellen. Zur Trinkerleichterung Trinkhalm oder Becher mit Griffen nutzen.
  • Bei vermehrtem Schwitzen, Trinken oder Wasserlassen natrium-reiche Mineralwasser oder sogenannte isotonische Getränke anbieten. Die Getränke sollten nicht eisgekühlt sein, das Essen normal gesalzen werden.
  • Zucker- und koffeinhaltige sowie alkoholische Getränke vermeiden.
  • Als Speisen, leichte Kost mit frischen Salaten und Gemüse anrichten. Auch wasserreiches Obst und Gemüse eignen sich gut, z. B. Melone, Gurke oder Pfirsich. Schwere und fettige Speisen vermeiden.

Temperatur-Regulierung unterstützen

  • Auf leichte und luftdurchlässige Kleidung achten. Besonders geeignet sind atmungs-aktive und natürliche Stoffe aus Baumwolle oder Leinen.
  • Leichte Bettwäsche aus natürlichen Stoffen wie Baumwolle oder Leinen nutzen. Laken als Bettdecke verwenden.
  • Durchgeschwitzte Bettwäsche wechseln. Frottee-Handtuch auf das Kopfkissen legen und häufiger austauschen.
  • Die Haut der betroffenen Person mit ein wenig Wasser aus einer Sprühflasche oder einem kühlen Waschlappen benetzen. Achtung: Keine Feuchtigkeit in Hautfalten zurücklassen. Kühlende Körper-Lotion anbieten.
  • Fuß- oder Handbad oder auch einen Stirn-Umschlag mit kühlem Wasser anbieten. Achtung: Wasser nicht unter 25°C kalt nutzen.
  • Bei der Inkontinenzversorgung eine Netzhose mit Einlage als Schutz verwenden. Möglichst Inkontinenz-Hosen, die mit Folie beschichtet sind vermeiden.

Fachlichen Rat einholen

  • Ärztliches Fachpersonal fragen, worauf besonders zu achten ist, etwa bei der Medikation.
  • Pflegefachkräfte beraten zum Schutz der pflegebedürftigen Person bei Hitze und zu geeigneten Pflegemaßnahmen. Fragen Sie nach!
  • Achtung: Holen Sie ärztlichen oder pflegefachlichen Rat ein, wenn Sie erste Anzeichen für Überhitzung oder Flüssigkeits-Mangel feststellen, wie Schwindel, Schwäche, Erbrechen, Kopfschmerzen oder erhöhte Temperatur.
  • Sofortige ärztliche Hilfe ist erforderlich, wenn es innerhalb von Stunden zu Schwäche, Kreislaufproblemen oder Verwirrtheit kommt. Sollte die pflegebedürftige Person plötzlich nicht mehr ansprechbar sein, sofort den Notruf 112 verständigen

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