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Richtig mit Demenzerkrankten sprechen

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Von: Saskia Weiß

Das ABC der Kommunikation mit Demenz-Erkrankten

Menschen, die an Demenz erkranken, sind nach und nach immer mehr auf Unterstützung und Pflege angewiesen. Auch die Fähigkeit, zu kommunizieren, wird zusehends eingeschränkt. Für diejenigen, die die Erkrankten betreuen – in aller Regel die engsten Angehörigen – ist das meist besonders schmerzhaft.

 

Der Alltag muss sich der Krankheit anpassen
Frustration und Ärger auf beiden Seiten entstehen vor allem dadurch, dass ein an Demenz erkrankter Mensch sich nicht mehr ohne weiteres in den normalen Alltag integrieren lässt. Der wichtigste Tipp in der Kommunikation mit an Demenz erkrankten Menschen lautet deshalb: Die Organisation des Alltags muss sich soweit wie möglich an die erkrankte Person anpassen – denn der Mensch selbst kann sich umgekehrt nicht mehr an den Alltag anpassen.

 

Pflege braucht Kraft
Das bedeutet vor allem: Zeit. Zeit, die viele pflegende Angehörige nicht haben. Denn die pflegenden Partner, Kinder oder Schwiegerkinder begleiten Erkrankte in der Regel intensiv über viele Jahre. Sie sind die wichtigsten Bezugspersonen, sorgen für Sicherheit und Geborgenheit und übernehmen pflegerische Aufgaben; all das neben ihrer Arbeit oder den sonstigen Aufgaben in einer Familie. Hier müssen endlich bessere Bedingungen geschaffen werden, die diese Menschen entlasten.

Die Grafik in Form einer Blume mit fünf Blütenblättern zeigt, was wichtig ist in der Kommunikation mit Erkrankten: Aufmerksamkeit, Blickkontakt, Einfachheit, Nachgiebigkeit und Deutlichkeit

Demenzerkrankungen haben zahlreiche Erscheinungsformen und verlaufen unterschiedlich. Ebenso verschieden sind die erkrankten Personen. Sie haben individuelle Biographien, Charaktere und Bedürfnisse. Die folgenden Punkte sind als kleine Hilfestellung für Begegnungen und Gespräche gedacht:

1. Verständnis zeigen

Demenzerkrankte bekommen Schwierigkeiten damit, Vergangenheit und Gegenwart zu unterscheiden, sie vergessen Alltägliches und erleben zum Teil ganz eigene Realitäten. Grundsätzlich gilt: Sie können nicht anders. Deshalb sollten Pflegende geduldig bleiben und zur Not mehrfach wiederholen. Sie sollten sich, soweit möglich, auf die Realität der erkrankten Person einlassen. Wenn verlegte Dinge auftauchen, hilft es nichts, die erkrankte Person damit zu konfrontieren. Entlastender für alle ist es, sie einfach wieder an den richtigen Platz zu tun.

2. Erinnerungshilfen nutzen

Viele kleine Frustrationen entstehen, weil die Erkrankten alltägliche Informationen oder Abläufe nicht mehr präsent haben: Wer gehört zur Familie? Wo stehen die Kaffeetassen? Hier können kleine Zettel helfen, die z.B. am Küchenschrank mit den Gläsern oder der Badezimmertür angebracht werden. Auch eine große Collage mit allen Familienangehörigen an einem zentralen Ort der Wohnung nach Entlastung bringen.

3. Aufmerksam sein

Nehmen Sie sich Zeit. Hören Sie gut zu und nehmen Sie das Gesagte ernst. Spricht der Erkrankte zum Beispiel davon, dass viele fremde Menschen in der Wohnung seien – dann ist ggf. einfach der Fernseher an. Es deeskaliert viel mehr, ggf. mit dem Betroffenen gemeinsam die Wohnung zu prüfen als schlicht zu entgegnen, dass das nicht sein könne.

4. Blickkontakt aufnehmen

Stellen Sie vor jedem Gespräch Blickkontakt her und sprechen Sie die Person möglichst namentlich an. Vergewissern Sie sich, dass der Betroffene Sie hört und sich angesprochen fühlt.

5. Charmant sein, nicht auf Rechthaben pochen

Zeigen sie Verständnis. Diskutieren Sie nicht über richtig oder falsch. Überhören Sie Anschuldigungen und Vorwürfe. Diese können ein Ausdruck von Hilflosigkeit sein und richten sich nicht gegen Sie persönlich.

6. Deutlich sprechen

Reden Sie langsam und deutlich. Wiederholen Sie wichtige Informationen. Verwenden Sie dabei immer dieselbe Formulierung. Unterstreichen Sie das Gesagte durch Mimik und Gestik.

7. Einfache Sätze und Fragen formulieren

Wichtig für den Austausch mit Demenzerkrankten ist eine einfache und klare Redeweise. Sätze sollten kurz sein und nur eine Information enthalten. Anstelle von offenen Fragen bieten Sie zwei Angebote zur Auswahl an: Statt: „Was möchtest Du trinken?“ lieber: „Möchtest Du Kaffee oder Tee?“.

 

Die richtige Kommunikation kann entlasten
Eine angemessene Kommunikation mit den erkrankten Angehörigen kann die strukturellen Probleme nicht lösen. Sie hilft aber bestenfalls, Druck und Wut aus der Situation zu nehmen und den Kontakt für alle so entspannt wie möglich zu gestalten.

Es ist immer auch möglich, sich Hilfe zu holen. Unterstützung und Beratung für pflegende Angehörige gibt es z.B. per Mail, im Chat oder am Telefon bei der AWO Pflege- und Seniorenberatung und bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

 

Das Alzheimer-Telefon

Nicht alle Antworten lassen sich im Internet finden. Deshalb gibt es das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Unter der Servicenummer 01803-17 10 17* und unter der Festnetznummer 030 - 2 59 37 95 14 beantwortet ein multiprofessionelles Team Ihre Fragen. (*Telefonkosten bei Anrufen aus dem deutschen Festnetz 9 Cent pro Minute, Anrufe aus dem Ausland oder den Handynetzen sind unter dieser Nummer nicht möglich).

Werden Sie Demenzpartner*in!

Demenz Partner wird man, indem man einen Kurs zum Thema Demenz besucht oder einen solchen anbietet. Das bedeutet, dass jede*r Demenz Partner werden kann – egal ob jung oder alt, berufstätig oder im Ruhestand, egal ob man einen Mensch mit Demenz persönlich kennt oder nicht. Die AWO ist seit Oktober 2017 Demenzpartnerin. Jetzt Demenzpartner*in werden!

Was ist Demenz?

1,6 Millionen Menschen mit Demenz leben in Deutschland. Unter Demenz versteht man ein Muster von Symptomen. Am geläufigsten sind Gedächtnis- und Orientierungsstörungen. Diese Einschränkungen können viele verschiedene Ursachen  haben, die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste. Menschen mit Demenz haben in der Regel zunächst Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis: Sie können sich heute nicht daran erinnern, gestern einen Frisörtermin vereinbart zu haben. Aber die Demenz ist keine reine Gedächtnisstörung. Im Verlauf der Erkrankung haben Menschen mit Demenz auch zunehmende Schwierigkeiten, sich sprachlich auszudrücken, die Mitteilungen anderer zu verstehen, Situationen zu überblicken und sich örtlich oder zeitlich zu Recht zu finden.

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