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politische Bildung für ein inklusives Gemeinwesen mit den „Respekt Coaches“

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An bundesweit über 80 allgemeinbildenden und beruflichen Schulen arbeiten Fachkräfte der AWO daran, gemeinsam mit Jugendlichen Antworten auf eine gesellschaftliche Grundfrage zu finden: Wie wollen wir zusammenleben?

Im Programm „Respekt Coaches“ der Jugendmigrationsdienste organisieren sie Workshops, Exkursionen, Gesprächsrunden und andere Aktivitäten in den Schulen und außerhalb.

Sie vermitteln Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft Grundwerte einer demokratischen Gesellschaft, zeigen jungen Menschen Wege zu aktiver Teilhabe, leisten Prävention gegen Menschenfeindlichkeit und unterstützen die Entwicklung von Lebensperspektiven. Das Programm wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert und seit dem Jahr 2018 umgesetzt von der AWO, der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA), der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) und der Freien Trägergruppe/Internationaler Bund (IB).

Die AWO leistet damit einen Beitrag zu mehreren der Nachhaltigkeitsziele, welche die Vereinten Nationen im Jahr 2015 verabschiedet haben: Sie trägt zu einer hochwertigen, gerechten und inklusiven Bildung bei (Ziel 4), zu Geschlechtergerechtigkeit und dem Abbau der Diskriminierung von Frauen (Ziel 5), zur Verringerung von Ungleichheiten und einer verantwortlichen Gestaltung von Migration (Ziel 10) und zu einer inklusiven und friedlichen Gesellschaft, in der das Zusammenleben auf starken, rechtsstaatlich kontrollierten und von allen akzeptierten Institutionen beruht (Ziel 16).

Die Fachkräfte im Programm „Respekt Coaches“ entwickeln die Gruppenangebote gemeinsam mit erfahrenen Trägern der politischen Jugendbildung und der Extremismusprävention. Dabei nutzen sie vor allem Ansätze, die sich methodisch vom Schulunterricht unterscheiden.

So spielen Jugendliche in Theater-Workshops Konflikte aus ihrem Alltag durch oder bringen in Rap-Workshops eigene Diskriminierungserfahrungen zur Sprache, oder sie lernen bei der künstlerischen Gestaltung einer Wand in der Schule, sich als Gruppe auf ein Motiv zu verständigen und erfahren dabei Selbstwirksamkeit. Im pädagogisch angeleiteten Kampfsport reflektieren sie den Sinn von Regeln und beim gemeinsamen Klettern lernen sie, dass es wichtig ist, sich aufeinander verlassen zu können. Die Gruppenangebote ermöglichen Jugendlichen, andere Talente zum Tragen zu bringen als die im Unterricht gefragten. Ein wichtiger Erfolgsfaktor der Gruppenarbeit ist, dass die Jugendlichen Themen und Aktivitäten mitbestimmen.

Die Jugendlichen bearbeiten in dem Programm die Frage nach dem Wie des Zusammenlebens auf unterschiedlichen Ebenen – in der Klasse, der Schulgemeinschaft, der Nachbarschaft und am Wohnort. Aber auch gesamtgesellschaftliche Fragen, wie Gerechtigkeit und Chancengleichheit, Geschlechterrollen, Stereotype und Vorurteile, Religion oder der Umgang mit Medien und Verschwörungsphantasien sind Themen der Gruppenarbeit. Damit stärkt das Programm die Resilienz Jugendlicher gegen die Propaganda autoritär-antidemokratischer Bewegungen, die gezielt Bedürfnisse Heranwachsender nach Gemeinschaft und Orientierung auszunutzen versuchen.

Viele Kooperationsschulen liegen in benachteiligten Stadtgebieten, und so leistet die AWO mit dem Programm einen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit. Wo bislang Angebote politisch-gesellschaftlicher Bildung jenseits des Schulunterrichts vor allem bildungsprivilegierte Jugendliche erreichten, trägt die AWO dazu bei, die Zielgruppe zu erweitern. Damit erhalten mehr Jugendliche die Chance, zu lernen, wie sie sich ihrer Interessen bewusst werden, sich wirksam artikulieren und das Gemeinwesen mitgestalten können, um es als ihr Gemeinwesen zu erfahren und Verantwortung zu übernehmen.

In Zeiten der Pandemie erweisen sich die Angebote erst recht als wichtig. Viele Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Milieus haben unter der Schließung der Schulen am stärksten gelitten. In engen Wohnungen fehlten oft Orte der Konzentration, und die wenigsten verfügten über die notwendigen Endgeräte und das Datenvolumen, um online am Unterricht und an zusätzlichen Bildungsangeboten teilnehmen zu können. Mit der Öffnung der Schulen im neuen Schuljahr ermöglichten die Angebote im Programm vielen Jugendlichen, wieder Gemeinschaft zu erfahren und aktiv zu werden.

Der Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit im Programm liegt auf langfristigen Formaten, in denen Vertrauen zwischen Jugendlichen und Fachkräften wachsen und sich Bildungsprozesse entwickeln können. Ein erster Zwischenbericht der wissenschaftlichen Evaluation des Programms zeigt, dass der Ansatz des Programms erfolgversprechend ist. Die Arbeiterwohlfahrt setzt sich deshalb für eine langfristige Perspektive des Programms „Respekt Coaches“ ein.

Link zur Website des Programms: https://www.lass-uns-reden.de/

 

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