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Pflegerische Versorgung und Begleitung am Lebensende

Leider sieht in Deutschland Wunsch und Wirklichkeit noch verschieden aus. Laut Faktencheck Palliativversorgung der Bertelsmann-Stiftung (2015)  ist immer noch das Krankenhaus der häufigste Sterbeort in Deutschland mit knapp 50 %. Dies bestätigen auch jüngere regionale Studien, wie die Analyse von Todesbescheinigungen des Universitätsklinikums Münster. Nur jeder Fünfte stirbt zu Hause, jedoch gewünscht wird dies von dreiviertel aller Menschen. Nach Ansicht der Stiftung verfehlt die Palliativbehandlung im Krankenhaus verfehlt ihr Ziel, Patienten nach Hause zu entlassen. Die Anzahl von Hospizen oder die Anzahl von Palliativstationen variiert regional stark und auch die ambulante palliative Versorgung stehe nicht überall im erforderlichen Umfang zur Verfügung. In Pflegeheimen sterben knapp ein Drittel der Menschen.

Aufgrund einer erheblich zunehmenden Pflegebedürftigkeit erfolgt häufig ein Einzug in eine Pflegeeinrichtung. Diese gesundheitliche Verschlechterung steht eng im Zusammenhang mit einem baldigen Eintritt in die letzte Lebensphase. Die Zeiten, in denen Bewohner*innen in einer Einrichtung leben, verkürzen sich. Ein Pflegeheim wird für immer mehr Menschen daher auch der Ort, an dem sie sterben. Vor diesem Hintergrund setzt sich die AWO für ein würdevolles Sterben unabhängig vom letzten Wohnort ein.

Damit verbindet sich die Forderung der AWO nach einer strukturellen Stärkung der palliativen Versorgung und Sterbebegleitung in vollstationären Pflegeeinrichtungen. In Anlehnung an die Finanzierung stationärer Hospize ist aus Sicht der AWO und der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege die Finanzierung der Versorgung am Lebensende in stationären Pflegeeinrichtungen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung sicherzustellen. Nur mit menschlicher Zuwendung und Begleitung sowie dem Vertrauen in eine dem persönlichen Vorstellungen entsprechende medizinische sowie pflegerische Versorgung kann dem Einzelnen die Angst vor dem Sterben genommen werden.

Eine Stärkung der palliativen Versorgung wird auch dem Anspruch vieler Pflegekräfte gerecht, Menschen auf dem letzten Weg ihres Lebens in Würde begleiten zu können. Die Begleitung und Versorgung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase und insbesondere in den letzten Tagen ihres Lebens ist zeitintensiv und nur möglich, wenn ausreichend Personal zur Verfügung steht. Dieser Mehraufwand bezieht sich nicht nur auf die erforderliche medizinisch-pflegerische Versorgung der Sterbenden, sondern umfasst auch die psycho-soziale Begleitung und Betreuung, die Gespräche mit  Angehörigen und Nahestehenden und deren emotionaler Unterstützung. Zugleich besteht im Rahmen der Versorgung von sterbenden Menschen ein hoher Koordinierungsaufwand mit den behandelnden Ärzten, ggf. dem SAPV-Team, dem ambulanten Hospizdienst und weiteren Personen. Viele Fachkräfte in Pflegeheimen möchten dem gerecht werden, sehen sich aber in einem Zwiespalt zwischen eigenem Berufsverständnis und der täglichen Enttäuschung, dem sterbenden Menschen nicht die erforderliche Hinwendung, die er benötigt, geben zu können. Die Stärkung der palliativen Pflege ist somit auch ein Beitrag, die Berufszufriedenheit der Mitarbeiter*innen zu steigern und das Image des Pflegeberufes zu verbessern.

Weiteres zur Bundestagswahl

Die AWO begleitet die 12 Wochen bis zur Wahl unter dem Motto „Deutschland, Du kannst das!“ mit sozial- und gesellschaftspolitischen Forderungen an die kommende Bundesregierung. Dieser Artikel wurde im Rahmen der Themenwoche „Gute Pflege für alle“ veröffentlicht. Mehr dazu unter: https://awo.org/bundestagswahl-2021

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