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17.08.2017 | Pressemitteilung

Kinder aus suchtbelasteten Familien müssen gestärkt werden

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Von: Mona Finder

Morgen wird der Drogen- und Suchtbericht 2017 der Bundesregierung vorgestellt. In einem Sonderkapitel wird auf die Situation von Kindern suchtkranker Eltern eingegangen. Dazu erklärt AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker:

„Knapp drei Millionen Kinder und damit jedes fünfte bis sechste Kind wächst in Deutschland in Familien mit mindestens einem suchtkranken Elternteil auf. Bei dieser erschreckenden Zahl können wir nicht länger wegsehen. Viel zu oft werden, aufgrund einer vermeintlichen Respektierung von familiärer Privatsphäre, Anzeichen ignoriert und Signale überhört. Die Folgen für die Kinder können gravierend sein. Viele haben nie eine verlässliche Bindung erlebt, werden sozial ausgegrenzt oder isolieren sich aus Scham selbst. Wer will schon einen Schulfreund mit nach Hause bringen, wenn man nicht weiß, was einen dort erwartet. Aufgrund dieser grundsätzlichen Unsicherheit entwickeln viele Kinder ein höheres Konflikt- und Aggressionspotenzial und tragen ein hohes Risiko später selbst suchtkrank zu werden.

Die Abhängigkeit von Drogen, Tabletten und Alkohol muss enttabuisiert und als Erkrankung wahrgenommen werden.

Brigitte Döcker, Mitglied des Vorstands

Die Suchtkrankheit der Eltern wird damit zu einer Familienkrankheit. Unser Ziel muss es sein, die mit der Krankheit ihrer Eltern verbundenen Risiken für diese Kinder so weit wie möglich zu reduzieren. Gesetze allein reichen dafür nicht aus, denn Kinder aus suchtbelasteten Familien sind sehr schwer zu erreichen.

Diese Kinder benötigen viel mehr politische und gesellschaftliche Unterstützung. Aufklärungsarbeit in Familie, Kita, Schule und Gesellschaft sind daher von enormer Bedeutung. So müssen alle Erzieher und Lehrer wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie familiäre Suchtprobleme bemerken und Unterstützung und Beratung vonnöten sind. Auch die Schulsozialarbeit übernimmt hier eine verantwortungsvolle Rolle, die es zu stärken gilt. Darüber hinaus müssen Beratungsstellen sowie Projekte zur gezielten Suchtaufklärung verstärkt genutzt und unterstützt werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Präventionsmaßnahmen. Suchtprävention sollte so früh wie möglich beginnen. Sie muss dort ansetzen, wo Kinder und Jugendliche anzutreffen sind. Zudem ist es wichtig, dass Suchtberater eine familienorientierte Perspektive einnehmen, wenn Eltern zu ihnen in die Suchtberatung kommen.

Die Abhängigkeit von Drogen, Tabletten und Alkohol muss enttabuisiert und als Erkrankung wahrgenommen werden. Unsere Aufgabe ist es, dafür Sorge zu tragen, dass Kinder suchtkranker Eltern in Kita und Schule ein verlässliches und unterstützungsbereites Umfeld bekommen. Dafür sind klare Ansprechpartner in den Kommunen notwendig. Aber auch auf Bundesebene muss die Zusammenarbeit von beispielsweise Jugend- und Suchthilfehilfe und öffentlichem Gesundheitsdienst weiter ausgebaut werden.“

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