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25.11.2015 | Pressemitteilung

Ist der 3. Sektor noch zu retten?

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Von: Stefan Hoffmann

Die Gesundheits- und Sozialwirtschaft ist mit inzwischen über sechs Millionen Beschäftigten einer der größten und beschäftigungsintensivsten Wirtschaftszweige Deutschlands. Die Branche steht aber auch vor großen Herausforderungen: Hinreichend und angemessen qualifiziertes Personal zu finden wird zunehmend schwieriger. „Das ist nicht nur dem sozio-demografischen Wandel geschuldet, sondern auch den zum Teil schwierigen Arbeitsbedingungen, wie etwa in der Pflege“, kritisiert Prof. Dr. Josef Hilbert, Direktor des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Westfälische Hochschule Gelsenkirchen). „Wir sind es unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schuldig, diese Diskussionen jetzt zu führen“, ergänzt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler. Gefordert sei die Politik, um für eine bessere Absicherung der Branche zu sorgen. Aber auch die Sozialpartner müssten neue Akzente und Vereinbarungen durchsetzen. Die „Arbeit in sozialen Dienstleistungen“ ist Thema einer Fachtagung, die das Institut Arbeit und Technik (IAT / Westfälische Hochschule) und der AWO-Bundesverband am heutigen 25. November in Berlin durchführen.
Ein Thema der Tagung ist die Entwicklung der Arbeitsbeziehungen in der Sozialwirtschaft. Hier herrscht vor allem auf regionaler Ebene ein harter, z.T. sogar ruinöser Wettbewerb, der angemessene Vereinbarungen auf allen Seiten erschwert. „In den sozialen und gesundheitsbezogenen Dienstleistungsberufen wird qualitativ hochwertig gearbeitet. Nun müssen wir dafür sorgen, dass der Finanzierungsdruck nicht noch größer wird. Im Gegenteil: wer im Alter gut gepflegt und seine Kinder gut betreut wissen will, der muss auch bereit sein, hier zu investieren. Das lohnt sich für die gesamte Gesellschaft", erklärt Stadler. Dazu ergänzt die Arbeitsforscherin des IAT Michaela Evans: „Die Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen sind im Vergleich zu anderen Branchen traditionell extrem kleinteilig organisiert, was eine konzertierte arbeitspolitische Strategie der Sozialwirtschaft derzeit insgesamt erschwert. Zum anderen entstehen auf regionaler Ebene, wo die Rahmenbedingungen des Marktes sehr unterschiedlich sein können, neue Arrangements der Arbeitsbeziehungen. Diese sind jedoch nicht selten Bündnisse des letzten Augenblicks.“ Nach Einschätzung der Gelsenkirchener Forscher könnte es sehr hilfreich sein, auf stärker integrierende Verhandlungsstrukturen zu setzen.

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