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Von: Florian Schneider

Wie Blindenreporter*innen dafür sorgen, dass auch Menschen mit Sehbeeinträchtigungen das Spiel live im Fußballstadion mitverfolgen können.

Stellen Sie sich vor, es fällt ein TOR von Ihrer Lieblingsmannschaft und Sie sind im Stadion - konnten es aber nicht sehen. Über eine Million Menschen in Deutschland würde es so ergehen, denn diese sehen nur sehr schlecht oder sind ganz blind. Dennoch können sie alle Tore ihrer Mannschaft live und detailliert im Stadion erleben. Das ist möglich, weil es in Deutschland fast 200 Blindenreporter und -reporterinnen gibt, die im Stadion vor Ort eine Reportage auf Ballhöhe anbieten.

Mit den Ohren "sehen"

Wie kann man sich das vorstellen? Der Großteil der Blindenreporter*innen ist ehrenamtlich aktiv. Diese sind mit Mikrophonen ausgestattet und beschreiben zu jeder Zeit genau das, was man sehen kann – so detailliert wie möglich. Dabei muss aber auch auf das Geschehen um das Spielfeld herum geachtet werden: Warum pfeifen die Fans plötzlich? Warum ist es gerade in der Südkurve so still? Was passiert da auf der anderen Seite des Stadions, wo es tumultig zu werden scheint?

Sehbehinderte und blinde Menschen sollten sich in Zukunft nicht fragen, ob sie teilhaben können, sondern ob sie teilhaben wollen!

Mittlerweile wird eine Blindenreportage flächendeckend in der ersten und bis auf eine Ausnahme auch in der zweiten Fußballbundesliga angeboten. Vereinzelt sind sogar Vereine in der 3. Liga und in den Regionalligen zu finden, die eine Blindenreportage anbieten.

Teilhabe ist in unserer Gesellschaft immer wichtiger und die Forderungen, Teilhabe zu ermöglichen, werden zu recht lauter. Mit diesem Bewusstsein wurde T_OHR gegründet, ein Projekt der AWO, das im Verein AWO-PASSGENAU beheimatet ist.

Tore auf die Ohren

T_OHR ist die Kurzbezeichnung für das Zentrum für Sehbehinderten- und Blindenreportage in Gesellschaft und Sport und verbindet die Worte TOR und OHR gekonnt miteinander. Die Reporter*innen sind quasi die Augen für ihre Zuhörer*innen und geben ihnen die Tore auf die Ohren.

Das Projekt T_OHR startete im April 2018 und verfolgt unter anderem das Ziel, die Quantität der Berichterstattung stark auszuweiten. Der Fußball darf als Vorreiter gesehen werden, aber auch Handball, Basketball usw. sollen in Zukunft mit einer Berichterstattung für Sehbehinderte und Blinde Menschen bereichert werden. Eine Teilhabe mittels Blindenreportage soll in Zukunft im Sport sowie im kulturellen Bereich ausgebaut und ausgeweitet werden. Der Slogan von T_OHR ist dabei: Blinde und sehbehinderte Menschen sollen sich nicht fragen, ob sie teilhaben können, sondern ob sie teilhaben wollen!

Wie sieht Engagement bei der AWO aus? Wie kann ich selbst aktiv werden? Im Vorfeld der AWO Aktionswoche 2018 nehmen wir das Engagement bei der AWO unter die Lupe. Und vom 16. bis 24. Juni heißt es dann wieder: Echte Vielfalt. Echtes Engagement. Echt AWO. Alle Blogartikel, Themen, Infos und Aktionen gibt es hier: ECHT AWO.

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