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Gesundheitliche Chancengleichheit

Es ist belegt, dass soziale Lage und Gesundheit in einem engen Verhältnis zueinander stehen. So spiegeln sich soziale Ungleichheiten im gesundheitlichen Status und der Lebenserwartung wider. Insbesondere geringes Einkommen und Arbeitslosigkeit bedingen eine frühe Sterblichkeit. Die AWO macht sich stark für den Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten und für die Schaffung gleicher Chancen, gesund zu sein und gesund zu bleiben.

Die Gesundheit eines Menschen wird einerseits vom Gesundheitsverhalten, also der individuellen Lebensweise, anderseits von den Lebensverhältnissen beeinflusst. „Gesundheitliche Ungleichheit“ meint sozial bedingte Unterschiede im Gesundheitszustand, im Gesundheitsverhalten und in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Zahlreiche Studien haben die gravierenden Auswirkungen schwieriger Lebenslagen nachgewiesen: Menschen in schwieriger sozialer Lage leben kürzer und wesentlich weniger Jahre bei guter Gesundheit als Menschen mit höherem sozioökonomischem Status. Nicht nur an dem deutlichen Gefälle der Lebenserwartung von Frauen und Männern zwischen den obersten und den untersten Einkommensgruppen wird deutlich, dass die Gesundheitschancen sehr ungleich verteilt sind. Persönliche Belastungen und Ressourcen sind eng mit den gegebenen Lebensverhältnissen verknüpft. Lebens- und Arbeitsbedingungen beeinflussen den Lebensstil sowie die Inanspruchnahme gesundheitlicher Leistungen. Daneben haben insbesondere fehlende Möglichkeiten der sozialen Teilhabe einen bedeutenden Einfluss auf die Gesundheit.

Als Verband der Freien Wohlfahrtspflege tritt die Arbeiterwohlfahrt in anwaltschaftlicher Funktion für sozial benachteiligte Menschen ein. Erklärtes Ziel der AWO ist die Schaffung gesundheitlicher Chancengleichheit. Hierzu setzt sich die AWO auf bundes- und landespolitischer Ebene ein, indem sie die Herstellung der notwendigen Rahmenbedingungen für Gesundheitsförderung und Prävention unterstützt. Mit ihren Trägern, Einrichtungen und Diensten ist die AWO in vielen Bereichen der (psycho-) sozialen und gesundheitlichen Versorgung tätig und darüber hinaus auch mit weiteren Tätigkeitsfeldern unmittelbar in den verschiedenen Lebenswelten der Menschen verortet. Über den Auf- und Ausbau gesundheitsförderlicher Angebote und Maßnahmen wird ein Beitrag zur Verbesserung der Gesundheit für alle Menschen geleistet.

Es braucht ein gesundheitsfördernde Gesamtpolitik!

Aus Sicht der AWO verlangen wirksame Gesundheitsförderung und Prävention eine gesamtpolitische Anstrengung. Diese muss weit über den Gesundheitsbereich hinaus wirken und alle relevanten Politikfelder einbeziehen, um nachhaltig und im Sinne einer Reduzierung von gesundheitlicher Ungleichheit verankert werden zu können. Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention müssen darauf ausgerichtet sein, frühzeitig gesundheitliche Belastungen zu senken sowie individuelle Ressourcen, Fähigkeiten, Kompetenzen und Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Allen eine gute Gesundheit, unabhängig von Geschlecht, Alter, Bildung, Einkommen und sozialem Status zu ermöglichen, ist eine Gemeinschaftsaufgabe, an der alle relevanten Akteure – die Sozialversicherungsträger, der Bund, die Länder und Kommunen – mitwirken müssen. Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, die gezeigt hat, dass das Risiko infiziert zu werden in Abhängigkeit von der sozialen Lage äußerst ungleich in der Bevölkerung verteilt ist, müssen Gesundheit und Gesundheitsvorsorge Allgemeingut werden.

Es braucht gesundheitsfördernde Lebenswelten!

Aufgrund der Möglichkeit verhaltens- sowie verhältnispräventive Ansätze miteinander zu verknüpfen sowie Zielgruppen erreichen zu können, ist der Setting-Ansatz aus Sicht der AWO als der geeignete Zugangsweg für gesundheitsfördernde Angebote und Maßnahmen zu betrachten. Im Vordergrund steht die Stärkung von Gesundheitsressourcen derjenigen Zielgruppen, deren Gesundheitschancen durch sozial bedingte Ungleichheiten beeinträchtigt sind. Vor diesem Hintergrund sind Angebote und Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention daran zu messen, ob sie durch eine soziallagenbezogene Vorgehensweise die Gesundheit der Menschen verbessern, die den größten Belastungen ausgesetzt sind und die über die geringsten Ressourcen verfügen. Die AWO hält eine deutliche Ausrichtung der Primärprävention auf Maßnahmen zur Schaffung gesundheitsförderlicher Settings und deren Fokussierung auf sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen für unbedingt erforderlich. Es kommt darauf, dass sich die zentralen Akteure auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene auf konkrete Maßnahmen der lebenslagenbezogenen Prävention und Gesundheitsförderung verständigen und diese bei Erfolg verstetigen.

Es braucht die Förderung von Unterstützungsstrukturen (insbesondere im ländlichen Raum)!

Die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnissen sowie die Bereitstellung einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung mit gleichen Zugangschancen ist fundamental wichtig, um vulnerablen Personengruppen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Eine zentrale Herausforderung liegt in der adäquaten Versorgung von Menschen in ländlichen Regionen. Der ländliche Raum ist in besonderer Form zunehmend von unzureichenden gesundheitlichen Versorgungsstrukturen betroffen. Die AWO ist da­von überzeugt, dass der An­satz der Quar­tiersentwicklung als Bau­stein sozialraumorientierter Ar­beit ei­ne sehr gute Ba­sis darstellt, um den gesellschaftlichen und sozialen Herausforderungen in­no­va­tiv begegnen zu kön­nen. Hierzu muss die Finanzierung von Quartiersentwicklungsprojekten und Quartiersmanagementstellen sichergestellt werden. Diesen Koordinations- und Lotsenstellen kommt eine zentrale integrierende Bedeutung für die Quartiersentwicklungen zu, indem sie Quar­tiere ent­spre­chend der je­weils ge­ge­benen Bedarfe, Strukturen und Res­sour­cen so weiterentwickeln und ausgestalten, dass die Le­bens­qua­li­tät und die Ge­sund­heit der dort lebenden Menschen gesichert und gesteigert werden. Um wirk­sam zu sein, müs­sen lokale Stra­te­gien der Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on mit den Menschen ge­mein­sam entwickelt und umgesetzt wer­den. Dabei geht es vielerorts da­rum, die Voraussetzung für Beteiligung zu schaffen, da­mit Menschen befähigt wer­den, ih­re gesundheitlichen Belange wahrzunehmen und mitzugestalten.

Weiteres zur Bundestagswahl

Die AWO begleitet die 12 Wochen bis zur Wahl unter dem Motto „Deutschland, Du kannst das!“ mit sozial- und gesellschaftspolitischen Forderungen an die kommende Bundesregierung. Dieser Artikel wurde im Rahmen der Themenwoche „Gute Pflege für alle“ veröffentlicht. Mehr dazu unter: https://awo.org/bundestagswahl-2021

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