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03.09.2018 | Artikel

CAREkonkret: AWO gegen sozialen Pflichtdienst

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Von: Mona Finder

Die CAREkonkret fragte den AWO Bundesvorsitzenden Wolfgang Stadler in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 34, vom 24.08.2018): Soll es ein Allgemeines Soziales Jahr (ASJ) für alle jungen Männer und Frauen im Anschluss an die Schulzeit verpflichtend geben? Dazu erklärt Wolfgang Stadler: 

 

„In 30 Jahren Zivildienst verrichteten über 100.000 junge Männer ihren Dienst bei der AWO. Sie waren für uns von großer Bedeutung, denn im Zivildienst haben sie   wichtige Erfahrungen in den verschiedensten Feldern der sozialen Arbeit gemacht und Aufgaben erledigt, die sonst liegen geblieben wären. Nicht wenige haben später ihre berufliche Zukunft bei der AWO gefunden.  Als 2011 die Wehrpflicht ausgesetzt wurde, bedeutete dies eine Zäsur. Unterstützen wir deshalb ein verpflichtendes soziales Jahr für Schulabsolventen? Keineswegs.

 

Auch wenn die Idee eines Pflichtjahres einen gesellschaftlichen Nerv getroffen zu haben scheint, ist sie doch völlig unausgegoren. So müssten bei einer Dienstpflicht jährlich für rund 500.000 junge Menschen leistbare und arbeitsmarktneutrale Tätigkeitsfelder gefunden werden.

 

Abgesehen von verfassungsrechtlichen Problemen bezüglich eines Zwangsdienstes bleibt die Frage nach dem Ziel. Es scheint so etwas wie ein Naturgesetz zu sein, dass die ältere Generation den Jüngeren wenig Sinn für das Gemeinwohl unterstellt. Den Fakten entspricht das nicht. In diesem Jahr leisten rund 100.000 überwiegend junge Menschen bundesweit einen Freiwilligendienst. Der mangelnde gesellschaftliche Zusammenhalt, über den es sich durchaus zu diskutieren lohnt, liegt ganz bestimmt nicht an der Jugend.

 

Möchte man den Gemeinsinn stärken, muss Engagement noch viel ernster genommen werden. Was wir wirklich benötigen, ist mehr Wertschätzung und Anerkennung für Menschen, die einen Freiwilligendienst leisten. Geeignete Maßnahmen dazu wären zum Beispiel eine bessere Anerkennung eines Freiwilligendienstes im Rahmen von Ausbildung, Studium und Beruf sowie kostenlose Nahverkehrstickets für Freiwillige.

 

Es gibt ein strukturelles Fachkräfteproblem im sozialen Bereich, das lässt sich aber nichtmit zwangsverpflichteten jungen Erwachsenen lösen. Im Gegenteil, die häufig ohnehin schon überlasteten Fachkräfte müssten sich zusätzlich um unfreiwilligen Helfer kümmern. Was wir stattdessen benötigen sind mehr Fachkräfte, die gut ausgebildet und motiviert sind, ihren so fordernden wie erfüllenden Job beispielsweise in der Altenpflege auszuüben. Mit den Bemühungen um eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte, bspw. durch einen allgemeingültigen Tarifvertrag, werden hier aktuell die richtigen Weichen gestellt.

 

Als AWO setzen wir klar auf Freiwilligkeit. Wir stehen für ein selbstbestimmtes und mit den eigenen Interessen verknüpfbares freiwilliges Engagement und sehen darin einen großen Gewinn für die jungen  Menschen, für die sozialen Einrichtungen und für die Gesellschaft insgesamt.“

 

CAREkonkret Nr. 34 Wolfgang Stadler gegen eine Dienstpflicht für Schulabgänger

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