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II. Armut und Bildungsbenachteiligung
[Textauszug ISS-Zwischenbericht Kapitel 3.1.3]
Eine neue Studie von Lauterbach/Lange (1998) zeigt, daß
arme Kinder deutlich seltener den Übergang an höhere Schulen schaffen.
Ebenso finden sich Kinder aus Familien in prekärem Wohlstand signifikant
seltener an Gymnasien wieder als Kinder aus reicheren Haushalten. Die folgende
Abbildung gibt hierzu einen detaillierten Überblick.
Während im Durchschnitt nur etwa 41 Prozent der Kinder im
Alter zwischen zehn und zwölf Jahren die Hauptschule besuchen, sind es
unter den armen Kindern fast 55 Prozent und von denen, die im prekären
Wohlstand leben, fast 53 Prozent. Genau umgekehrt verhält es sich mit dem
Besuch des Gymnasiums. Während im Durchschnitt fast 29 Prozent der Zehn-
bis Zwölfjährigen das Gymnasium besuchen, sind es unter den armen nur
etwa 16 Prozent und unter denen, die im prekären Wohlstand leben, gar nur
14 Prozent. Die Unterschiede in bezug auf andere Schultypen sind marginal.
Insofern die Bildungsreform der 70er Jahre den Anspruch hatte,
soziale Ungleichheiten in bezug auf Bildung im allgemeinen und Schulbesuch im
besonderen zu beseitigen, muß sie angesichts der obigen Zahlen (vgl.
Abschnitt b) dieses Gliederungspunktes) als höchst begrenzt erfolgreich
betrachtet werden.
Warum nun aber treffen arme Eltern für ihre Kinder andere
Bildungsentscheidungen als reichere Eltern? Lauterbach und Lange führen
neben finanziellen Erwägungen, die gegen eine längere und teurere
Ausbildung sprechen, vor allem "...mentale Einschränkungen der
Zukunftserwartungen, die in Apathie münden können...", an. Störungen
innerhalb der elterlichen Beziehung stünden in enger Verbindung mit dem
Erziehungsverhalten; fehlende Unterstützung und mangelnde Überwachung
bildungsbezogener Aktivitäten seien die Folge (vgl. Lauterbach/Lange 1998,
113-115).
Lompe hat im Rahmen einer Untersuchung zu arbeitslosen
SozialhilfeempfängerInnen bereits im Jahr 1987 auf den Circulus vitiosus
von Sozialhilfebedürftigkeit respektive Armut und ungünstigen
Sozialisationsbedingungen (Überforderung bei der Erziehung etc.) aufmerksam
gemacht, der tendenziell zu einer intergenerationellen Verfestigung von Armut führe
(vgl. Lompe 1987, 224-226). Als nachdrückliches Beispiel führt er die
Aussage eines 25jährigen Vaters an: "...Und was nachher mit der
Ausbildung wird, ich hab schon gesagt, Janina, wenn du nachher keine Arbeit
hast, gehst'e zum Sozialamt..." (aus Interview zitiert, Lompe 1987,
227). [...]
Literatur:
Lauterbach, Wolfgang; Lange, Andreas (1998): Aufwachsen in
materieller Armut und sorgenbelastetem Familienklima. Konsequenzen für den
Schulerfolg von Kindern am Beispiel des Übergangs in die Sekundarstufe
1, in: Mansel/Neubauer (Hg.) (1998): Armut und soziale Ungleichheit bei
Kindern, Opladen, S. 106-128.
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