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Letzte Änderung am 13.05.2008
 
 

II. Armut und Bildungsbenachteiligung

[Textauszug ISS-Zwischenbericht Kapitel 3.1.3]

Eine neue Studie von Lauterbach/Lange (1998) zeigt, daß arme Kinder deutlich seltener den Übergang an höhere Schulen schaffen. Ebenso finden sich Kinder aus Familien in prekärem Wohlstand signifikant seltener an Gymnasien wieder als Kinder aus reicheren Haushalten. Die folgende Abbildung gibt hierzu einen detaillierten Überblick.

Während im Durchschnitt nur etwa 41 Prozent der Kinder im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren die Hauptschule besuchen, sind es unter den armen Kindern fast 55 Prozent und von denen, die im prekären Wohlstand leben, fast 53 Prozent. Genau umgekehrt verhält es sich mit dem Besuch des Gymnasiums. Während im Durchschnitt fast 29 Prozent der Zehn- bis Zwölfjährigen das Gymnasium besuchen, sind es unter den armen nur etwa 16 Prozent und unter denen, die im prekären Wohlstand leben, gar nur 14 Prozent. Die Unterschiede in bezug auf andere Schultypen sind marginal.

Insofern die Bildungsreform der 70er Jahre den Anspruch hatte, soziale Ungleichheiten in bezug auf Bildung im allgemeinen und Schulbesuch im besonderen zu beseitigen, muß sie angesichts der obigen Zahlen (vgl. Abschnitt b) dieses Gliederungspunktes) als höchst begrenzt erfolgreich betrachtet werden.

Warum nun aber treffen arme Eltern für ihre Kinder andere Bildungsentscheidungen als reichere Eltern? Lauterbach und Lange führen neben finanziellen Erwägungen, die gegen eine längere und teurere Ausbildung sprechen, vor allem "...mentale Einschränkungen der Zukunftserwartungen, die in Apathie münden können...", an. Störungen innerhalb der elterlichen Beziehung stünden in enger Verbindung mit dem Erziehungsverhalten; fehlende Unterstützung und mangelnde Überwachung bildungsbezogener Aktivitäten seien die Folge (vgl. Lauterbach/Lange 1998, 113-115).

Lompe hat im Rahmen einer Untersuchung zu arbeitslosen SozialhilfeempfängerInnen bereits im Jahr 1987 auf den Circulus vitiosus von Sozialhilfebedürftigkeit respektive Armut und ungünstigen Sozialisationsbedingungen (Überforderung bei der Erziehung etc.) aufmerksam gemacht, der tendenziell zu einer intergenerationellen Verfestigung von Armut führe (vgl. Lompe 1987, 224-226). Als nachdrückliches Beispiel führt er die Aussage eines 25jährigen Vaters an: "...Und was nachher mit der Ausbildung wird, ich hab schon gesagt, Janina, wenn du nachher keine Arbeit hast, gehst'e zum Sozialamt..." (aus Interview zitiert, Lompe 1987, 227). [...]

Literatur:

Lauterbach, Wolfgang; Lange, Andreas (1998): Aufwachsen in materieller Armut und sorgenbelastetem Familienklima. Konsequenzen für den Schulerfolg von Kindern am Beispiel des Übergangs in die Sekundarstufe 1, in: Mansel/Neubauer (Hg.) (1998): Armut und soziale Ungleichheit bei Kindern, Opladen, S. 106-128.



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