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12.04.2010

AWO Ethikrat: Für eine Sterbe- und Abschiedskultur in der Altenpflege

Expertenrat erarbeitet Grundpositionen der AWO für angewandte Ethik im Alltag

"Die Arbeiterwohlfahrt hat sich in ihrer 90-jährigen Geschichte oft mit ethischen Themen befasst, doch im Bereich der Altenhilfe sehen wir uns aktuell mit Fragen angewandter Ethik im Alltag konfrontiert, die einen Expertenrat erfordern, der die AWO unterstützt", sagte AWO Präsident Wilhelm Schmidt auf der konstituierenden Sitzung des neuen Ethikrates. Er ist hochkarätig besetzt mit namhaften Wissenschaftlern und Politikern, darunter Professor Andreas Kruse, Dr. Arnd May, Herta Däubler-Gmelin und Franz Müntefering.

Wesentlicher Auslöser war die Entwicklung in der ambulanten und stationären Altenpflege, die sich zunehmend zu Einrichtungen der Sterbebegleitung entwickeln und Elemente der Hospiz-Arbeit aufnehmen müssen. Im Rahmen eines Pilotprojektes des AWO Bundesverbandes zur Palliativpflege und Abschiedskultur entwickelt die AWO zur Zeit Empfehlungen zum Umgang mit Patientenverfügungen, zur Begleitung und Unterstützung von Angehörigen und Betreuern, zum Umgang mit ethischen Konflikten und zur Gestaltung ethischer Fallberatungen.

Der Ethikrat unterstützt dabei die Absicht der AWO, sich zu Fragen der Selbstbestimmung am Ende des Lebens und der Abschiedskultur in unserer Gesellschaft zu positionieren. Damit will sie Einrichtungen und Mitarbeitern notwendige Orientierungshilfe leisten, aber auch stärker in die öffentliche Debatte um Sterbebegleitung und Palliativpflege eingreifen.

Dr. Birgit Weihrauch betonte, dass die AWO der einzige Wohlfahrtsverband sei, der auf Bundesebene eine Gesamtstrategie zur Weiterentwicklung der Abschiedskultur verfolgt. Auch sie machte auf bundesweite Versorgungsdefizite aufmerksam.

Die AWO sieht im Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts einen Meilenstein für die Förderung der Selbstbestimmung am Ende des Lebens. Sie warnt jedoch auch vor der Gefahr, die Selbstbestimmung zur Unterlassung von lebenserhaltenden Maßnahmen als Mittel der Rationierung im Gesundheitswesen zu missbrauchen. Selbstbestimmung beinhalte aber auch das Recht lebenserhaltende Maßnahmen in Anspruch zu nehmen.

Die Mitglieder des AWO Ethikrates werden sich auch mit weiteren ethischen Fragen befassen, etwa im Bereich Migration und Integration, der Versorgung demenzkranker Menschen und der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.

Kontakt E-Mail: karin.deckenbach[at]awo.org