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25.03.2010

AWO akzeptiert Geschäftemacherei mit 1 Euro-Jobs nicht

Kritisiertes Projekt in Neumünster wird beendet "Empörende Einzelfälle schaden den vielen guten Initiativen für Langzeitarbeitslose"

"Wir lehnen jede Geschäftemacherei bei der Betreuung und Vermittlung von Langzeitarbeitslosen entschieden ab", bekräftigt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler.

Das in die Kritik geratene Projekt in Neumünster wird beendet, kündigte der Geschäftsführer des AWO Landesverbandes Schleswig-Holstein, Volker Andresen, an. Der Bundesverband hat sich in aller Eile über das in den Medien kritisierte Projekt in Neumünster informiert und kommt zu dem Ergebnis, dass diese Maßnahme nicht dem notwendigen Transparenzgebot gerecht wird. Auch wenn das Projekt der Service GmbH in Neumünster von der zuständigen Arbeitsagentur und der örtlichen Handelskammer genehmigt und geprüft wurde, entstand doch der Eindruck, dass dabei arbeitslose Menschen nicht gefördert, sondern ausgebeutet wurden. "Solche Einzelfälle müssen sofort gestoppt werden", erklärt Stadler. "Denn solche Konstruktionen sind keinesfalls mit den Grundwerten der AWO vereinbar und schaden den vielen guten Initiativen für die Qualifizierung und Vermittlung von Hartz IV Empfängern", betont der Bundesverband. Die AWO darf keinesfalls auch nur den Anschein erwecken, dass sie möglicherweise nicht transparent arbeitet, so Stadler weiter.

Im Interesse der langzeitarbeitslosen Menschen hat sich die AWO bei der Vermittlung von 1-Euro-Jobs einer anspruchsvollen Selbstverpflichtung unterworfen. Zugleich hat die AWO als sozialpolitischer Lobbyverband immer wieder auf die kritischen Probleme dieses politisch gewollten Arbeitsmarktinstruments hingewiesen. „Doch immer wieder setzen Politiker aller Couleur die Wohlfahrtsverbände unter erheblichen Druck, in großer Zahl solche 1-Euro-Jobs anzubieten“, erklärt Stadler. „Dabei wird in der Öffentlichkeit jedoch jede konkrete Debatte vermieden, wie das sinnvoll gehen kann und funktionieren soll.“ Tatsächlich erfordert die Einrichtung und Betreuung von 1-Euro-Jobs großen Aufwand. Um besonders benachteiligte Menschen fit für den Arbeitsmarkt zu machen, geht es im ersten Schritt oft um die Vermittlung grundlegender Qualifizierungen, wie frühem Aufstehen und pünktlichem Erscheinen, persönlichem Auftreten und verlässlicher Arbeitsmoral. Dieser Einsatz verursacht häufig Kosten, die über die von den Arbeitsagenturen pauschal gezahlten Regiekosten von durchschnittlich 200 Euro monatlich hinaus gehen. Die gemeinnützigen Träger müssen dann zusätzlich Eigenmittel einsetzen. "Diese Probleme rechtfertigen jedoch in keiner Weise Auswüchse, wie sie nach unseren Informationen in dem Einzelfall in Neumünster der Fall waren", erklärt der AWO Bundesvorsitzende.

Der AWO Bundesverband wird jetzt einen Leitfaden erarbeiten, der der AWO vor Ort einen Orientierungsrahmen gibt. Grundsätzlich sind 1-Euro-Jobs ein wichtiges Instrument, um langzeitarbeitslose Menschen fit zu machen und über eine öffentlich geförderte Beschäftigung wieder in den Ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Ein gutes Beispiel für den sogenannten "Klebeeffekt" bietet unter anderem die AWO Duisburg mit ihrer Gesellschaft "Zukunft Arbeit". Ausgehend von zusätzlichen Hilfsdiensten in Pflegeheimen wurden geeignete "Ein-Euro-Jobber"in die "Entgeltvariante" überführt, also in einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit qualifiziert. "Damit haben wir allein im vergangenen Jahr 72 Langzeitarbeitslose zu einer festen Anstellung verholfen", sagt Wolfgang Krause, Geschäftsführer der AWO Duisburg

Kontakt E-Mail: karin.deckenbach[at]awo.org