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19.11.2014

Armutsgefährdung

„Die Rentenentwicklung muss auf den Prüfstand. Wir brauchen dringend eine Anhebung des Rentenniveaus“, fordert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler angesichts der heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichen Zahlen zur Armutsgefährdung in Bezug auf die über 65-jährigen und ergänzt: „Wenn nicht sowohl die Rente, als auch der Arbeitsmarkt reformiert werden, droht in paar Jahren Millionen Rentnern besonders in Ostdeutschland der Gang zum Sozialamt.“ Stadler fordert deshalb: „Die Begrenzung der Minijobs, Beibehaltung der Rentenquote von 51 Prozent und ausreichend gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten, die eine Erwerbstätigkeit beider Eltern ermöglicht.“

Besonders in Sachen Erwerbsarbeit gebe es einigen Änderungsbedarf. „Arbeit muss vor Armut schützen“, fordert Stadler. Die Einführung eines allgemeinen Mindestlohns war hier ein erster richtiger Schritt. Darüber hinaus sind Minijobs weitestgehend abzuschaffen und Leiharbeit auf die Abdeckung von Auftragsspitzen und Auftragsschwankungen zu konzentrieren, für die der Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ gelten müsse.

Da das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung seit Jahren rapide sinkt, sei besonders die zukünftige Entwicklung besorgniserregend. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist fast jeder Siebente (14,8 Prozent) Westdeutsche und jeder Achte Ostdeutsche über 65-jährige armutsgefährdet. Sowohl in West- wie auch in Ostdeutschland stiegen die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um jeweils 1,1 Prozent. Doch von den Zahlen dürfe man sich nicht täuschen lassen. Schon bald gehen im Osten die Menschen in Rente, deren Erwerbsbiografie durch den Mauerfall stark zerrüttet wurde. „Besonders im Osten werden wir in den kommenden Jahren eine Welle von Altersarmut erleben“, fürchtet Stadler.

Erst kürzlich veröffentlichte Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigten, das die Zahl der Alten, die auf Zuschüsse des Sozialamtes angewiesen sind, im Vergangenen Jahr um 10 Prozent gestiegen ist. Dazu komme, dass sehr viele Menschen, die eigentlich einen Anspruch auf die Grundsicherung im Alter hätten, diesen Anspruch aus Scham oder Unkenntnis nicht wahrnehmen.